4 January 2026

Lorbeerblätter - ein Gewürz mit Geschichte

Lorbeerblätter kennt fast jeder in der Küche. Meist liegen sie lange still im Gewürzregal, wandern kurz in den Suppentopf oder ins Sauerkraut – und werden dann wieder vergessen. Ganze Lorbeerblätter sind aber weit mehr als ein klassisches Gewürz. Sie tragen Geschichte, Symbolik, Botanik und ein kleines bisschen Magie in sich.


Was sind ganze Lorbeerblätter eigentlich?

Verwendet werden die getrockneten Blätter des echten Lorbeers (Laurus nobilis). Der immergrüne Strauch oder kleine Baum stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, kann aber auch bei uns wachsen – in geschützten Lagen, milden Regionen oder ganz unkompliziert im Kübel.

Wichtig ist die Unterscheidung: Nur echter Lorbeer ist essbar.

Zierlorbeer oder Kirschlorbeer sehen ähnlich aus, sind aber nicht für die Küche geeignet.


Geschmack & Rolle in der Küche

Lorbeer hat ein würzig-herbes, leicht bitteres Aroma, das sich langsam entfaltet. Er ist kein Gewürz, das sofort auffällt – sondern eines, das man erst vermisst, wenn es fehlt. Typischerweise wird er mitgekocht und vor dem Servieren wieder entfernt. Genau diese Art der stillen Begleitung macht ihn so wertvoll, vor allem in Suppen, Brühen, Schmorgerichten, Eintöpfen oder Saucen.


Der Klassiker: Lorbeer im Sauerkraut

Eine besonders schmackhafte Anwendung ist die Verwendung in Sauerkraut gemeinsam mit Wacholderbeeren. Lorbeer bringt Tiefe und Würze, Wacholder eine feine Frische und leichte Harzigkeit. Zusammen wird das Kraut runder, aromatischer und oft auch bekömmlicher. Ein bis zwei Lorbeerblätter und ein paar leicht angedrückte Wacholderbeeren reichen völlig aus. Beides wird mitgekocht und vor dem Servieren entfernt. Genau diese Kombination macht den Unterschied zwischen „ganz gut“ und klassisch gut.


Lorbeer als Tee – eine alte Anwendung

Lorbeer lässt sich auch als Tee genießen, allerdings sehr sparsam. Ein einzelnes Blatt, mit heißem Wasser übergossen, ergibt ein würziges, wärmendes Getränk, das früher gerne nach schweren Mahlzeiten oder in der kühleren Jahreszeit getrunken wurde. Weniger ist hier eindeutig mehr.


Lorbeer räuchern – Klarheit & Ordnung

Ob du es glaubst oder nicht - Selbst beim Räuchern hat Lorbeer seinen Platz. Sein Rauch wirkt klärend, ordnend und strukturierend. Besonders harmonisch ist er in Kombination mit Harzen wie Weihrauch oder Copal, die die reinigende Wirkung unterstützen. Sanfter wird es mit Benzoe, das dem Lorbeer etwas Rundheit gibt. Kräuterseitig passt er gut zu Wacholder, Rosmarin oder Salbei. Lorbeer sollte dabei immer dezent eingesetzt werden – oft genügt ein einziges Blatt, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.


Mystik & alte Überlieferungen 🌿

Lorbeer war schon in der Antike ein starkes Symbol für Sieg, Schutz und Wohlstand. Bis heute hält sich die Überlieferung, dass ein Lorbeerblatt in der Brieftasche dabei helfen soll, dass das Geld nicht ausgeht – oder zumindest den bewussten Umgang mit Fülle unterstützt. Ebenso bekannt ist der Brauch, getrocknete Lorbeerblätter unter Teppiche oder in Raumecken zu legen, um Gerüche zu binden und die Raumluft frisch zu halten. Ein einfacher, natürlicher Trick aus früheren Zeiten.


Botanik kurz & bodenständig 🌱

Lorbeer ist ein robuster, langlebiger, immergrüner Strauch mit ledrigen, stark aromatischen Blättern. Er liebt Sonne und geschützte Standorte und kann bei uns – mit etwas Aufmerksamkeit – viele Jahre Freude machen. Ein echtes Küchenkraut mit Charakter.


Mein Fazit

Lorbeer ist so ein Gewürz, das immer da ist – aber nie im Mittelpunkt stehen will. Er kocht brav mit, hält Gerüche in Schach, räuchert den Raum und sorgt angeblich sogar dafür, dass das Geldbörserl nicht ganz leer wird. Multitasking kann er also.

Er macht kein Drama, braucht keine große Bühne und meldet sich erst dann zu Wort, wenn er fehlt. Und genau dann merkt man: Ohne Lorbeer ist vieles nur halb so rund. Ein stilles Blatt mit erstaunlich vielen Talenten – und ein guter Beweis dafür, dass die leisen Typen oft die spannendsten sind. 🌿😉